Der Anfrage eines flug- und reiseverrückten Kollegen aus Deutschland folgend, konnte ich mich schliesslich durchringen, mich trotz zahlreicher Bedenken für eine einwöchige Nordkorea-Rundreise mit Aviatikfokus des relativ jungen englischen Veranstalters „Juche Travel Services“ anzumelden. Wollten wir eigentlich gleich die erste solche Tour im März mitmachen, zwangen uns seine Arbeitspläne schliesslich, das ganze bis in den September zu verschieben. Nachträglich ein riesiges Glück, kamen wir doch so in Genuss einiger zusätzlicher Goodies, des bisher besten Wetters, und konnten nach den positiven Eindrücken der ersten Tour-Teilnehmer auch etwas ruhiger schlafen.

 

Am 8. September war es dann schliesslich soweit: aus aller Welt trudelten 40 vor lauter Vorfreude fast platzende Luftfahrtenthusiasten in Peking ein, und trafen sich am Abend vor der Tour in einem schwierig zu findenden, nordkoreanischen Restaurant zum „Welcome Dinner“. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits über zwei Wochen lang in Asien unterwegs gewesen, und durchaus etwas reisemüde, trotzdem machte sich auch bei mir sofort eine gewisse Aufregung spürbar.

 

Nach etwas Smalltalk und dem Erhalt unserer Nordkorea-Visa durften wir an der riesigen, runden Tafel Platz nehmen und ein reichhaltiges Angebot an asiatischen und koreanischen Speisen geniessen.

 

Doch damit nicht genug! Kaum hatten wir fertig gespiesen, stürmten nordkoreanische Musikerinnen in Abendkleidern die Bühne. Wer nun dachte, es würde vor dem kitschigen Hintergrunddekor bloss das übliche volkstümliche Gedudel folgen, welches einem sonst an derartigen Anlässen erwartet, wurde eines besseren belehrt: Die zierlichen Mädels sattelten E-Gitarren und Trommeln, sprangen hinter Schlagzeug und Keyboard, und rockten in einem Affenzahn los (hier der Videobeweis). Die erste, aber bei weitem nicht letzte surreale Erfahrung dieses Trips.

 

Nach diesem Abend waren wir alle noch viel mehr gespannt auf das, was uns in der nächsten Woche erwarten würde. Alles bereit also? Fast. Bevor ich mit dem Bericht loslege, möchte ich nämlich noch einen äusserst kurzen Abriss zur jüngeren Geschichte Nordkoreas einflechten, was vielleicht dem Verständnis hier und dort helfen könnte:

Die gesamte koreanische Halbinsel war seit 1910 von den Japanern besetzt, welche die dortige Kultur teilweise heftig unterdrückten. Am 15. August 1945 musste Japan unter dem Druck der Alliierten schliesslich kapitulieren, und die nördliche Region Koreas an die UdSSR, die südliche an die USA abtreten. Die Sowjetunion hatte ein grosses Interesse an Nordkorea als Puffer zu Japan, welches sich rasch zu einem Verbündeten der USA entwickelte. Dementsprechend begann die UdSSR rasch, „ihren“ Norden Koreas nach kommunistischen Vorstellungen umzuformen.

Einer UN-Resolution folgend zog die UdSSR ihre Armee 1948 aus Nordkorea ab, während die USA im Süden bis heute präsent sind – mit ein Grund für die bis heute währende Abneigung gegen den Süden. Nachdem im Süden Wahlen abgehalten wurden und die Regierungsgeschäfte von den Amerikanern an die Südkoreaner übertragen wurden, beantwortete der Norden dies mit der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea (KDVR, oder DPRK auf Englisch) am 9. September 1948, deren erster Präsident Kim Il-sung wurde. Beide Regierungen sehen sich seither als rechtmässige Herrscher über ganz Korea an.

Seiner proklamierten „Juche-Ideologie“ folgend, wonach es die zentrale Aufgabe jedes Staates ist, die politische, wirtschaftliche und militärische Unabhängigkeit des Landes zu gewährleisten, trieb Kim das Land in eine immer grössere Isolation. Während die Pläne dank technologischer Fortschritte insbesondere in der Schwerindustrie anfangs aufgingen und der Herrscher gottgleiche Beliebtheit im Volk erlangte, stagnierte die (technologische) Entwicklung danach immer mehr. So fiel es immer schwerer, aus dem ohnehin schwer bebaubaren Land genügend Nahrung für die Bevölkerung zu generieren, was in katastrophalen Hungersnöten in den 1990ern gipfelte, und bis heute noch immer ein grosses Problem ist. Internationale Hilfe wurde lange Zeit abgelehnt, ist mittlerweile aber zu einem festen Bestandteil geworden.

Sein ab 1994 regierender Sohn Kim Jong-il ersetzte die „Juche-Ideologie“ durch die Parole „Armee zuerst“. Während die Isolation damit etwas abgebaut und zaghafte Ansätze einer freien Wirtschaft zugelassen wurden, wurde vor allem das Militär stark aufgebaut und gegen Bedrohungen von aussen gewappnet.

2011 schliesslich erlangte nach Kim Jong-ils Tod sein Sohn Kim Jong-un die Macht, was viel Ungewissheit mit sich bringt. Während man davon ausgeht, dass der neue Herrscher die alte Linie der Dynastie weiterverfolgt und in den nächsten Jahren seine Präsenz markieren muss, berichten Beobachter und Kenner des Landes aber auch von einer bisher nicht gekannten Öffnung und Aufbruchsstimmung in den letzten ein bis zwei Jahren.

 

 

In der IL-62 von Peking nach Pyongyang

 

Mitten in diese ungewisse Situation stürzte sich nun unsere Gruppe begeisterter Aviatiker, welche sich am nächsten Morgen drei Stunden vor Abflug am Flughafen von Peking einfand. Der kribblige Enthusiasmus wurde bereits früh gebremst: das Check-in-Personal war mit den unerwartet vielen Touristen, die an diesem Samstag nach Nordkorea wollten (zwei IL-62, eine Tu-154 und eine Tu-204 – zwei Flüge sind unten auf den Bildschirmen sichtbar), hoffnungslos überfordert. Und das Sitzreservationssystem, welches unser Reiseveranstalter für/mit/trotz/gegen Air Koryo für unsere Gruppe aufgegleist hatte, erleichterte die Sache auch nicht wirklich.

 

Es dauerte schliesslich bis 30 Minuten vor Abflug unserer Maschine, bis alle Mann eingecheckt waren. Jetzt noch schnell durch die Sicherheitskontrolle, und dann konnte es endlich losgehen!

 

Nachdem wir aufgrund der Tatsache, dass die halbe Air Koryo-Flotte in Peking stand lange bangten, ob wir auch wirklich die geplante Il-62 bekommen würden, bewahrheitete sich dies glücklicherweise: da stand sie an unserem Gate, die 33-jährige Schönheit mit der Registration P-885!

 

 

Das Boarding zog sich etwas hin; einerseits wollte natürlich jeder das erste Highlight des Trips möglichst ansprechend fotografieren, andererseits machten die Sitzreservationen weiterhin Probleme. Bis zu vier Personen hatten plötzlich eine Bordkarte mit der exakt gleichen Sitznummer in Händen – und ich zog schliesslich den Kürzeren und wurde von meinem geplanten Fensterplatz in die Mitte versetzt. Der Trip fing ja super an.

Mit einer Verspätung von ca. 20 Minuten wurde die Maschine zurückgestossen, wir lauschten begeistert dem Aufstarten der vier Soloviev D-30-Triebwerke, und nach kurzem Rollen und für Pekinger Verhältnisse sehr kurzem Warten an der Piste 36R erhoben wir uns unter grossem Getöse endlich in den diesigen Pekinger Himmel. Let the fun begin!

Für die adäquate Sound-Untermalung, hier das Video eines Kollegen ein paar Reihen hinter mir!

http://www.youtube.com/watch?v=X-bb2MXtmhQ&hd=1

 

 

 

 

Blick von meinem Platz aus in die hintere Kabine (vorne die abgetrennte Business Class). Die Maschine war bis auf den letzten Platz gefüllt; das Arirang-Festival (mehr dazu später) lockte unzählige Touristen ins abgeschottete Land

 

Wer dachte, abdunkelbare Fenster seien ein Novum der B787, wird hier eines besseren belehrt! Daneben ein Blick in die Business Class…

Weitere Impressionen der Kabine:

Die Flugzeit von 80 Minuten liess zur Bewirtschaftung der 180 Passagiere nur wenig Zeit, dementsprechend wurden sehr bald schon die (gar nicht so üblen) Essen ausgeteilt

 

Mmmhm, wie mache ich jetzt da bloss ne gescheite Überleitung…

 

Kaum hatten wir den letzten Happen verschlungen, senkte sich die Nase unseres Ganzmetallgeschosses, und wir nahmen mit ausgefahrenen Speedbrakes Kurs auf Pyongyang. Zuvor war bei Überquerung der Landesgrenze auch noch eine Ansage zu Ehren des „great Leaders“ sowie eine Hymne erklungen.

 

Bereits eine Viertelstunde vor der Landung wurde mit einem kräftigen *Klonk* das Fahrwerk rausgehauen (eine Praxis, die sich auf späteren Flügen bestätigen sollte), und schliesslich drehten wir über ansprechenden Landschaften in den Endanflug auf die 4‘000 Meter lange Piste 19 des Sunan International Airport von Pyongyang. Und mein Kollege zog mit diesem Foto wohl gleich so etwas wie den Hauptgewinn!

 

Nach der Landung und einem ewig langen Rollen (Interessierte mögen sich Pyongyang’s Airport auf Google Maps anschauen – es ist nur noch die entfernte Piste in Betrieb) kamen wir schliesslich auf dem Haupt-Apron zum Stehen. Nun durfte einer nach dem andern von uns ins Cockpit, um ein Foto zu schiessen – bei 40 Personen dauert das ganz schön lange. Und genau als ich an der Reihe gewesen wäre, war Schluss. Die vierte Maschine aus Peking befand sich im Anflug, und man wollte uns vom Vorfeld weghaben. Tja dann. Bleibt mir halt nur noch ein Foto von aussen!

 

 

Willkommen in Pyongyang! Leider wurde das alte “Soviet-style” Terminal wenige Wochen zuvor abgerissen, und musste einem modern wirkenden Provisorium Platz machen. Hinter der Abschrankung links wird zaghaft am „richtigen“ neuen Terminal gebaut…

 

 

Mjam, ein Blick auf das Static Display! Der Reihe nach: Tu-204-300 P-632 (gebaut 94, seit 2007 bei Air Koryo), dann die Tu-154A P-552 (direkt 1976 zu Air Koryo), die Tu-154B P-561, in der ich eine Woche später fliegen sollte (1983 direkt zu Air Koryo), dahinter die IL-62M P-885 (1979). Gewiefte Betrachter haben natürlich bereits den Fremdling im Hintergrund erspäht: Die IL-62M P-886P, welche nur Wochen zuvor aus Beständen von Cubana (ex CU-T1280) zu Air Koryo gestossen war. Ob sie selber fliegen oder nur als Ersatzteilspender dienen soll, konnte nicht abschliessend geklärt werden. Es geht aber das Gerücht um, dass Air Koryo in Kürze den Kauf neuer Flugzeuge bekannt gibt, und die IL-62 ab nächstem Jahr nicht mehr international einsetzen wird.

Momentan schaut die Air Koryo-Flotte in etwa wiefolgt aus:

- 5x An-24 (2x -24B active, 1x -24B stored, 2x -24RV active)
- 2x IL-18 (1x Pax, 1x Cargo)
- 5x IL-62 (2x Pax, 2x VIP, 1x ex-Cubana)
- 3x IL-76 (mindestens zwei aktiv)
- 2x Tu-134B (nur eine gesehen)
- 2x Tu-154 (1x -154B, 1x -154B-2)
- 2x Tu-204 (1x -100, 1x -300)

 

 

Ein Blick ins kleine provisorische Terminal von Pyongyang (an einem anderen Tag, am Samstag war’s pumpevoll). Die Immigration selber verlief rasch und problemlos – für den nachfolgenden Sicherheitscheck mussten wir uns allerdings noch einmal 30 Minuten anstellen.

Hier wurden uns unsere Handys abgenommen und für eine Woche lang unter Verschluss gelagert. Das einzige, was die Koreaner sonst noch stört, sind GPS-Geräte. So liess ich meine bekannte GPS-Uhr schweren Herzens bereits in Peking, und konnte so auch die vierte Nachfrage des Sicherheitsbeamten guten Gewissens mit „No GPS“ beantworten. Nachdem er meinen Laptop und meine Kamera einige Sekunden kritisch beäugt hatte, war ich aber ohne weitere Verluste „durch“ – und drin in diesem seltsamen Land!

Vor dem Terminal wurden wir von unseren vier Guides empfangen, welche für eine Woche lang unsere ständigen Begleiter, Reiseführer und Aufpasser gleichermassen, sein sollten. Es handelte sich um je zwei Damen und Herren zwischen 21 und 35, die allesamt vier Jahre an der Universität für Tourismus ausgebildet worden waren (also sehr profundes Wissen hatten) und ganz passables Englisch sprachen. Der Umgang mit ihnen war wirklich erfreulich und herzlich, von vielen Lachern geprägt, und schon nach wenigen Tagen waren wir Freunde geworden. Auch interessierte oder kritische Fragen zu Staatsaufbau, Lebensweise, etc., beantworteten sie gerne, nur mit zynischen Bemerkungen zu selbigen Themen sollte man etwas behutsam umgehen. Beeinträchtigt haben sie uns kaum je - einzig das Fotografieren militärischer Einrichtungen oder Anlagen wurde uns verboten (das Verbot allerdings nur halbherzig durchgesetzt). 

Bereits warteten zwei Busse auf uns. Je 20 Leute wurden einem Bus zugeteilt, erhielten zwei Guides an die Seite, und schliesslich ging's los in Richtung Stadtzentrum (ca. 30 Minuten). Am Wegrand heisst uns der „great Leader“ bereits willkommen! :)

 

Der Weg ist auch bereits von einigen Monumenten gesäumt. Hier das Unsterblichkeitsmonument, welches eigentlich Kim il-sung gewidmet ist und an der Strasse zu seinem Mausoleum liegt, nun aber auch noch Kim Jong-ils Namen trägt.

 

Nur wenige Meter weiter steht das nächste eindrückliche Bauwerk: der nordkoreanische Triumphbogen, welcher dem Pariser Original zwar nachempfunden ist, dieses aber um drei Meter überragt. Eingeweiht wurde er 1982 zum 70. Geburtstag des „Great Leader“. Die 1925 steht für das propagierte Jahr, als Kim il-sung den Widerstand gegen die Japaner begann, die 1945 schliesslich für das Jahr ihrer Kapitulation. Dahinter ist der Fernsehturm von Pyongyang zu erkennen…

 

 

Nach diesen Eindrücken geht’s erst einmal ins Hotel – doch auch dieses ist durchaus markant! Das Koryo Hotel mit seinen beiden 143 Meter hohen Zwillingstürmen wurde 1985 als Statussymbol für das Land gebaut.

 

 

Während das Hotel in Nordkorea als 5-Stern gilt, entsprach es einem gehobeneren 3-Stern-Standard. Die Zimmer waren suitenähnlich und verfügten über ein separates Wohn- und Esszimmer sowie über ein Badezimmer nach westlichem Standard. Achja, und einen tollen Blick über Pyongyang aus dem 20. Stock gab’s obendrauf (womit zugleich der Mythos entkräftigt wäre, ganz Pyongyang präsentiere sich nachts aus Elektrizitätsmangel stockdunkel)!

By the way, hier noch ein kleines Room Tour-Video meines Zimmers :) 
http://www.youtube.com/watch?v=Pz4MhhWPtPE&hd=1 

 

 

 

Sightseeing in Pyongyang

 

Ich versuche hier einen möglichst zusammenhängenden Überblick über die Hauptstadt zu gewähren; in Tat und Wahrheit entstammen die Bilder der gesamten Woche, war doch das Sightseeing meist nur Rahmenprogramm vor oder nach den Flügen. Aber auch auf den Fahrten im Bus durch die Stadt liess sich das eine oder andere erlegen….

 

Zuerst ein Überblick über das Zentrum der 3-Millionen-Metropole, vom Juche-Turm aus aufgenommen. Der Taedong-Fluss teilt die Stadt entzwei, nicht überraschend prägen die drei einzigen grossen Hotels als Repräsentativbauten das Stadtbild...am rechten Rand ist der Fernsehturm erkennbar

 

 

Omnipräsent sind natürlich die Konterfeis der beiden verehrten Führer: Links der “Grossvater” Kim il-sung, mit dem alles begann (stets im Anzug dargestellt), rechts sein erst 2011 verstorbener Nachfahre Kim jong-il (im modischen Gewand).

Für diejenigen, die's interessiert, habe ich hier die Geschichten der zwei (resp. neu drei) Landesführer in Kürze niedergeschrieben:

 

Kim Il-sung („die Sonne“) wurde 1912 geboren, wuchs aber während der japanischen Besetzung im Exil im Osten Chinas auf, von wo er als Teil einer Partisanenbewegung immer wieder aus Nordkoreas bergigem Norden heraus gegen die Japaner gekämpft haben soll. Nach Jahren in Ausbildungslagern in Russland erlangte er schliesslich 1945 die Macht über Nordkorea, auch dank der Unterstützung der russischen Führung rund um Stalin. In den ersten Dekaden erreichte er einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung im Land, der den Süden weit überflügelte. Zusammen mit permanenten Machtdemonstrationen konnte Kim Il-sung so die Bevölkerung hinter sich scharen, und ein religionsähnlicher Personenkult entwickelte sich um ihn – schliesslich ist er nur noch als „Great Leader“ bekannt und gilt auch über seinen Tod hinaus von Gesetzes wegen als ewiger Staatschef. Kim Il-sung war es auch, der die sogenannte „Juche Ideologie“ erfand und propagierte; demnach ist es die Aufgabe jedes Staates, politische, wirtschaftliche und militärische Unabhängigkeit vom Ausland zu gewährleisten. Die Verfolgung dieses Mottos trieb Nordkorea schliesslich immer mehr in die Isolation, was das Land nachhaltig und bis heute schwächt. Auf Bildern und Fresken wird Kim Il-sung meist im Anzug dargestellt.

 

Nach dem Tod Kim il-sungs im Jahr 1994 erlangte sein Sohn, Kim Jong-il, die Macht, und beerbte seinen Vater auch um den unvergleichlichen Führerkult. Laut nordkoreanischer Fassung soll er 1942 in einer Waldhütte am Fusse des Paektu-Bergs zur Welt gekommen sein, als sein Vater sich im Kampf gegen die Japaner dort versteckte. Sovietische Dokumente belegen allerdings seine Geburt im russischen Exil nahe Khabarovsk, bereits 1941.

Er wird als „Dear Leader“ verherrlicht und ihm werden neben zahlreichen Erfindungen auch übernatürliche Kräfte attestiert. So habe er bereits drei Wochen nach seiner Geburt gehen können, habe den Hamburger erfunden, mit seiner eigenwilligen Kleidung weltweite Modetrends gesetzt, die weltbeste Partie Golf gespielt (in seinem ersten Versuch notabene!), diverse Opern geschrieben und, achja, das Wetter kontrollieren konnte er auch noch. Leider half ihm all dies nicht, die durch die Isolation und zahlreiche Fluten ausgelöste grosse Hungersnot der 90er-Jahre zu bewältigen. Stattdessen kreierte er eine neue Ideologie namens Songun („Armee zuerst“), welche dem Militär in allen Belangen absoluten Vorrang gewährt, und disziplinierte unter diesem Motto das Volk aus der Armut heraus weiter. 2011 starb er an Bord seines gepanzerten Zuges (trotz all seiner Fähigkeiten litt der Arme nämlich unter Flugangst) und sein über die Jahre zuvor aufgebauter Sohn Kim Jong-un übernahm die Macht.

 

 

 

 

Noch am Ankunftsabend brachen wir nach dem leckeren Abendessen im Drehrestaurant auf dem Dach des Koryo-Hotels zu einem spontanen Nachtspaziergang durch Pyongyang auf. Erster Halt: Das Grand Theatre – dankenswerterweise mit perfekter Foto-Pfütze! :)

 

 

Uns alle überrascht hat diese moderne Wohnanlage, der Mansudae Apartment Complex, welche so gar nicht in unser Bild von Pyongyang passte. Die futuristisch anmutende Siedlung mitten im Stadtzentrum wurde erst im Sommer dieses Jahres zum 100. Geburtstag des „great leader“ fertiggestellt…

 

 

Unweit unseres Hotels befindet sich Pyongyang’s Hauptbahnhof: von hier aus verkehren Züge in alle Landesteile, mehrmals wöchentlich nach China (bis Peking) sowie zweimal monatlich über 10‘000 Kilometer weit bis nach Moskau!

 

 

 

 

Am zentralen Platz von Pyongyang, dem (wie könnte es anders sein) Kim il-sung Square, gibt es einige schöne Bauten zu bestaunen. Hier das Gebäude des Ministeriums für den Aussenhandel (wieviel die wohl zu tun haben?). An dessen Fassade prangt die riesige Flagge der Koreanischen Arbeiterpartei, bestehend aus Hammer, Pinsel und Sichel – stellvertretend für Industriearbeiter, Intellektuelle und Bauern, welche als die drei Grundpfeiler der Arbeit angesehen werden.

 

 

Dominiert wird der berühmte Platz von diesem wuchtigen Gebäude. Doch anders als in normalen Städten ist es weder ein Regierungspalast noch ein religiöses Bauwerk – vielmehr dient es, brav kommunistisch, dem Volk: die 1983 erbaute Grosse Studienhalle des Volkes, Nationalbibliothek und Volkshochschule in einem, mit über 600 Räumen.

 

 

An einem anderen Tag erhielten wir eine Führung durch das Gebäude. Am Eingang begrüsste uns standesgemäss der „great Leader“, auch in den Studienräumen waren die beiden bekannten Herren präsent. Stolz wurden uns zudem die in Höhe und Neigung verstellbaren Lernpulte vorgeführt…;)

 

Highlight des Besuches war aber die Aussicht von der weitläufigen Dachterrasse im sechsten Stock: Der Ausblick reicht über den Kim il-sung-Platz hinweg zum Turm der Juche-Ideologie – dieser misst 170 Meter und wird von einer 20 Meter hohen roten Fackel gekrönt. Erbaut wurde auch er 1982 – wessen 70. Geburtsjahr das war, dürfte mittlerweile wohl bekannt sein…:)

 

 

Auch dem Turm selber statteten wir natürlich einen Besuch ab – auch hier finden sich wieder Symbole der nordkoreanischen Dreifaltigkeit…

 

 

Und wer hätt’s gedacht, mit einem Lift kann man auch diesen Turm erklimmen und den Ausblick geniessen (von hier stammt auch das Panorama oben). Als erstes ein Blick auf Pyongyang’s futuristische Seite: einmal mehr der Mansudae Apartment Complex, dahinter thront Pyongyang’s höchstes und markantestes Gebäude, das jahrelang unvollendete Ryugyong Hotel.

 

 

Daneben wirkt “unser” Koryo-Hotel wirklich bereits bieder und alt!

 

 

Ein Blick über die Wohnviertel am Ostufer des Taedong. In der Ferne kann man das 1. Mai-Stadion erspähen, mit 150'000 Plätzen das grösste Stadion der Welt! Es wird später im Bericht auch noch eine Rolle spielen…:)

 

 

Bei der Gelegenheit noch ein paar weitere Eindrücke von Wohnhäusern (man ist versucht zu sagen: -batterien) in der Hauptstadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als kurzer Unterbruch vom Stadtleben geht’s jetzt in den Zirkus! Jaja, selbst das hatte in unserem vollgepackten Tourprogramm Platz. Hier wurde uns sowie ein paar tausend Soldaten für 90 Minuten beste Unterhaltung geboten. Die artistischen Nummern hatten Weltklasse-Niveau, einige sollen sogar am Zirkusfestival von Monte Carlo Preise eingeheimst haben. Leider war Fotografieren offiziell verboten, weshalb es im Versteckten zu geschehen hatte…

 

 

Ähhhm ja. Neben den ganzen hochkarätigen Nummern gab es auch den einen oder anderen für westliche Augen schwerer verdaulichen Showblock. Tierfreunde mögen bitte das linke Auge schliessen und rasch weiterblättern – zumindest die Paviane schauten aber so aus, als hätten sie so etwas wie Spass auf dem Eis (der magere Meister Petz definitiv nicht). Die Dame, die drei Minuten lang am Seil hängend auf einem Besenstil ein Glas balancierte war dann schon eher wieder ein Highlight…

 

 

Machen wir also schneeeell weiter mit was Schönerem: Im Monumente bauen sind die Nordkoreaner definitiv grosse Klasse, und dieses hier gefällt mir besonders. An der nach Süden (also schliesslich nach Südkorea) führenden Ausfallstrasse steht das Denkmal für die Wiedervereinigung: zwei exakt gleiche Statuen koreanischer Frauen in traditioneller Tracht halten gemeinsam eine Tafel mit der Karte des vereinigten Korea.

 

Nääääächstes Monument! Wer aufgepasst hat, dem sollte die Symbolik bereits vertraut sein. Bleibt zu erwähnen, dass es sich um das Party Founding Monument handelt, und es 1995 zum Anlass des 50-jährigen Bestehens der Arbeiterpartei errichtet wurde.

 

Netterweise können wir auch das Ryugyong noch aus etwas näherer Entfernung bestaunen. Mit dem Bau des (damals weltweit höchsten) Hotels wurde bereits 1987 begonnen. Allerdings wurde es wegen diverser Probleme nie fertiggestellt, und der graue Rohbau prangte lange Jahre als Schandfleck über der Stadt. Erst kürzlich wurde mit dem ägyptischen Telecom-Anbieter Orascom, der auch für den Aufbau eines nordkoreanischen Mobilfunknetzes verantwortlich ist, allerdings ein neuer Geldgeber gefunden. Die Fassade ist bereits fertig, und auch am Innenausbau wird offenbar wieder gearbeitet. Achja, falls jemand bei Orascom aufgehorcht hat: Genau, neuer Betreiber des Hotels ist der aus Andermatt bekannte Samih Sawiris. Wie klein die Welt doch ist…:)

 

Das nächste Besuchsziel ist an Symbolik und Propagandafunktion kaum zu überbieten: 1968 kaperte die nordkoreanische Marine das amerikanische Aufklärungsschiff USS Pueblo, welches mit Spionagetechnik ausgestattet vor der Küste des Landes herumdümpelte. Die an Bord befindlichen Soldaten wurden in Foltercamps verfrachtet, aber nach einer (nicht ernst gemeinten) Entschuldigung der US-Regierung nach acht Monaten wieder freigelassen. Die Pueblo blieb jedoch in Nordkorea und ist damit das einzige Schiff der US-Marine, welches sich in den Händen einer fremden Macht befindet.

 

Selbstverständlich wurde die Pueblo, die nun im Taedong-Fluss ankert, zu einer grossen Touristenattraktion mit Propagandaüberdosis umfunktioniert. Adrette Offizierinnen (links, rechts eine unserer Guides) wurden auf dem Schiff postiert, um Touristen die nordkoreanische Version der Geschichte zu erzählen (dass uns Madame in Uniform weit mehr interessierte als die graue Nussschale war wohl beiden Seiten klar), und nach einer Führung durch die „geheimen“ Räume des Schiffs darf man im Mannschaftsraum auch noch einen 10-minütigen Propagandafilm ertragen.

 

 

Der nächste besuchte Ort war aber wieder weitaus interessanter! Es ging hinab in den Untergrund, in die Welt der sagenumwobenen Pyongyanger U-Bahn!

 

Das System besteht aus zwei Linien, welche in 100 Metern Tiefe unter der Stadt hindurchführen, und deren Schächte damit auch als Bombenschutzräume fungieren. Die (fünf von uns besuchten) Stationen sind reich geschmückt, mit monströsen Kronleuchtern an den Decken, detaillierten Mosaiken an den Tunnelwänden, und natürlich darf auch eine Statue des nationalen Halbgottes nicht fehlen. Die Züge stammen aus Beständen der Berliner U-Bahn, erhielten aber eine neue Farbgebung.

 

Da wir schon beim öffentlichen Verkehr sind, kommen auch gleich noch die weiteren Nahverkehrsmittel dran: Pyongyang besitzt seit 1962 ein extensives (Trolley-)busnetzwerk. Während die zahlreichen Busdinosaurier in sämtlichen Verwesungsgraden natürlich alle Blicke auf sich ziehen, muss aber fairerweise gesagt werden, dass auch bereits zahlreiche top modern aussehende Modelle erspäht werden können. Jeder auf einem Fahrzeug aufgepinselte Stern steht übrigens für 50'000 zurückgelegte Kilometer (zu sehen z.B. beim gelben Bus unten). 

 

 

 

Bei den Trams (erstmals eingeführt von den japanischen Besetzern) gibt es dagegen nur Alteisen zu bestaunen. Es handelt sich meist um tschechische Tatra-Kompositionen, die entweder direkt für Pyongyang gebaut wurden, oder aber aus zweiter Hand aus Leipzig, Dresden und Magdeburg beschafft wurden. Auf einer separaten Linie, welche wir leider nie zu Gesicht bekamen, sind auch alte Zürcher Trams unterwegs…

 

 

 

 

 

Arirang Mass Gymnastics Festival

 

Am Sonntagabend stand ein ganz besonders Spektakel bevor: der Besuch der Arirang Mass Gymnastics Show im bereits erwähnten 1. Mai-Stadion. Here we are!

 

 

Die anderthalbstündige Show basiert lose auf dem koreanischen Volkslied Arirang, welches von einer Liebesgeschichte handelt. In Massengymnastiken mit insgesamt über 100‘000 Teilnehmern wird einerseits diese Geschichte erzählt, darin eingeflochten wird aber auch die Geschichte Nordkoreas aufgerollt und die wichtigsten technischen Errungenschaften gefeiert.

Hier der Beginn der Geschichte mit dem Sonnenaufgang – gleichzeitig steht die Sonne aber auch für Kim il-sung.

 

 

Nahezu ebenso spektakulär wie das Synchrongetanze auf dem Rasen ist der Hintergrund: Er wird gebildet von 30‘000 Schülern, welche farbige Tafeln in die Höhe halten, und so stets wechselnde Mosaikbilder kreieren. Natürlich darf da auch die Nationalflagge nicht fehlen :)

 

 

Die Liebesgeschichte wird mit der Geschichte des Landes verwoben – ich glaube diese Szene behandelt den Einmarsch der Japaner, welcher die Liebenden schliesslich trennte…

 

 

Zwischendurch wird immer wieder den Statussymbolen des Landes Tribut gezollt – hier geht’s unverkennbar um die Verkehrsinfrastruktur, auch die IL-62 von Air Koryo ist mit dabei!

 

 

Ab und zu wird’s auch mal kitschig…

 

 

…bevor wieder militärische Präzision übernimmt (allerdings waren das alles Schauspieler und keine Militarios). Eindrücklich!

 

 

 

 

Da legst di nieder!

 

 

Es folgt das grosse Finale mit Korea als Zentrum der Welt (immerhin wurde an ein paar Friedenstauben gedacht)…

 

 

…und unter einem bombastischen Feuerwerk präsentieren sich alle 100‘000 tanzenden Akteuere dem Publikum. Echt etwas vom Besten, was ich in meinem Leben gesehen habe. Und auch wenn das Land unbestritten grosse Probleme plagen und es alles andere als eine blütenreine Weste hat – so ein Abend lässt einem dies alles für kurze Zeit vergessen…
Kurzum: Falls jemand plant, auch nach Nordkorea zu gehen, würde ich unbedingt ans Herz legen, das während des Arirang-Fests (meist August/September) zu tun…

 

 

Die ganze Schönheit dieses Spektakels lässt sich in einzelnen Bildern nur schwer festhalten. Daher möchte ich allen empfehlen, kurz einen Blick auf mein kleines Video hier zu werfen, in welchem ich ein paar eindrückliche Sequenzen zusammengeschnitten habe.

http://www.youtube.com/watch?v=vk3Pncllt8E&hd=1

 

 

Tagesausflug nach Kaesong und in die DMZ

 

Nachdem Pyongyang nun abgehandelt ist, geht’s wieder chronologisch weiter. Zuerst noch mit dem Sonntag, einem der flugfreien Tage. Hier stand eine Busfahrt in die demilitarisierte Zone (DMZ) an der Grenze zu Südkorea auf dem Programm, mit einem Besuch der nahegelegenen Stadt Kaesong, mit gut 300‘000 Einwohnern die fünftgrösste in Nordkorea. Es geht zwei Stunden lang über die bekannten, gespenstisch leeren (und zermürbend holprigen) Autobahnen…

 

 

Eine verwaiste Zufahrtsstrasse durchtrennt die endlosen Reis- und Sojabohnenfelder

 

 

Ein Dörfchen entlang der Route

 

 

Weitere Impressionen von Bauten und Ortschaften entlang der Route – unten links eine unserem Schweizer „Fressbalken“ nicht unähnliche Autobahnraststätte

 

 

 

 

 

Das Ziel unseres Besuchs: die Grenzanlage bei Panmunjom. Die Grenze zwischen Süd und Nord verläuft hier genau durch die Mitte der blauen Baracken, die deshalb gerne für Gespräche der beiden Regierungen genutzt werden. Das wuchtige Gebäude mit dem Dutzend Kameras auf dem Dach ist das südkoreanische Besucherzentrum. 

 

Links ein Bild aus dem Inneren der Baracke; einer unserer Amis sitzt auf der südkoreanischen Seite, einer der Holländer links in Nordkorea. Die Grenze verläuft durch die Mitte des Tisches, wo die Mikrofone sind.

Rechts ein Monument, welches Kim il-sung’s Unterschrift trägt, mit welcher er am Tag vor seinem Tod (7.7.94) noch ein Dokument zur ersehnten Wiedervereinigung unterschrieben haben soll. Natürlich ist die Tafel 8.7 Meter breit, der Grundriss des Monuments 9.4 Meter lang (Todestag 8.7.94) und es wird von 82 geschnitzten Kimilsungia-Blumen (jaja, die gibt’s!) umgeben, welche sein Alter repräsentieren…

 

 

Nach dem Ausflug an die Grenze besichtigen wir die Stadt Kaesong, welche dominiert wird von einer riesigen Kim il-sung-Statue auf einem Hügel

 

 

 

Ansonsten war die Stadt für den Nationalfeiertag (9. September) reich geschmückt – und wie üblich winkten uns die Kinder (und vielfach auch Erwachsene und Soldaten) freudig zu!

 

 

 

 

Kaesong war das Zentrum Koreas zu Zeiten der mittelalterlichen Koryo-Dynastie (Koryo -> Air Koryo -> Korea) und hat daher auch eine ausgeprägte kulinarische Geschichte. Wieder einmal genossen wir ein vielfältiges und gut mundendes Mahl, während die Menschen um uns herum von 700 Kalorien am Tag leben müssen…

 

 

Mittlerweile war der Himmel beinahe wolkenlos, und so konnte ich auf der Rückfahrt nach Pyongyang zahlreiche schöne Eindrücke der ansprechenden Landschaft gewinnen…

 

 

 

Immer wieder durchfuhren wir Hügel- und Bergregionen, deren Anzahl mit ein Grund für die anhaltende koreanische Hungersnot ist: Nur 18% der Landesfläche sind überhaupt flach genug, um bebaut zu werden, zudem ist auch das über Monate trockene Klima der Landwirtschaft nicht zuträglich. Und so beschleicht mich der Eindruck, dass so gut der Great Leader seine Juche-Ideologie der Isolation und Autarkie auch gemeint haben mag, er sich einfach das falsche Land ausgesucht hat, um so ein Vorhaben durchzuziehen…

Aber ja, schön ist die Szenerie durchaus!

 

 

 

 

Ungemein idyllisch, natürlich auch, weil noch lange nicht so zersiedelt wie Mitteleuropa…

 

 

 

So, lange musstet ihr warten, aber jetzt geht’s los mit dem Flugprogramm!

 

 

Mit der IL-18 in die Berge: Nach Norden zum Mount Paektu

 

 

6 Uhr Wake-up-Call (einmal mehr…), 6:30 Frühstück, 7 Uhr Abfahrt in Richtung Flughafen. Eine halbe Stunde lang fahren wir durch dichten Nebel und fragen uns, ob unsere alte Lady unter diesen Bedingungen überhaupt wird fliegen können. Doch je näher wir dem Airport kommen, desto öfter lugt die Sonne durch die Wolkenfetzen hindurch – und als wir schliesslich die kurze Sicherheitskontrolle hinter uns gebracht haben und auf den Apron blicken, sonnt sich die 44-jährige russische Schönheit bereits im besten Morgenlicht!

 

 

Bald darauf ist alles zum Einsteigen bereit. Gemeinsam mit einer belgischen Reisegruppe dürfen wir die Il-18D mit der Kennung P-835 entern.

 

 

Die Sitzplatzreservation funktionierte mehr oder weniger, und ich konnte meinen Wunschplatz mit Blick auf die riesigen Vierblattpropeller mit je 4,5 Meter Durchmesser geniessen. Bald wurden die vier Ivchenko AI-20M-Turbinen gestartet, und nach den üblichen 10 Minuten Taxizeit stiessen wir uns von der Piste 01 in die Höhe. Was für ein tolles Gefühl!

Ein Video davon von einem früheren Tour-Teilnehmer: http://www.youtube.com/watch?v=rqEHCjXHTxo

 

 

Einfach schön!

 

 

Cabin View

 

 

Und noch ein paar weitere Features. An die standardmässig nach vorne klappbaren Sitze könnte ich mich auch in westlichen Airlinern gewöhnen – auch die Geschwindigkeits- und Höhenanzeige in der Businessclass (Achtung, km/h und Höhe in Meter!) war nett!

 

 

 

Bald begann schon wieder der relativ kurze Sinkflug auf den immerhin knapp 1‘400 Meter hoch gelegenen Flughafen von Samjiyon, und mein erster Flug in einem Flieger mit vier Propellern nahm sein viel zu rasches Ende…

 

 

Die Landung war leider total im Gegenlicht und nicht schön aufzunehmen. Hier stehen wir bereits auf dem kleinen Apron am Ende der Piste, mit Blick auf das VIP-Terminal

 

 

Doch mit dem Aussteigen hatten wir es nicht so eilig, schliesslich waren einmal mehr Cockpit Visits angesagt! Et voilà, nach einer gefühlten Ewigkeit reichte es diesmal auch für mich!

 

 

Der Schönheit unter den Flügel geguckt…

 

 

…und die moderne Abfertigungs-Infrastruktur bestaunt.

 

 

Die 40 Luftfahrtenthusiasten waren bereits happy, die klassische russische Schönheit im besten Licht aus allen Winkeln aufnehmen zu dürfen, und wuselten mit entsprechend grossem Grinsen kreuz und quer auf dem Tarmac herum. Doch damit nicht genug! Unsere Organisatoren riefen die Crew dazu auf, das Flugzeug schön clean zu machen, und überredeten den Fahrer der Boarding-Treppe dazu, sein Vehikel für uns in Stellung zu bringen. Und das in Nordkorea, auf einer militärischen Airbase, wo man aus dem Wald die MIGs bei ihren Run-ups hören konnte. Kann mich bitte mal jemand kneifen?

 

 

Das Ergebnis: Das wohl bestmögliche Bild!

 

 

Während sich alle anderen noch um die Treppe zofften, ging ich auf die Suche nach weiteren interessanten Perspektiven…

 

 

…und schliesslich konnte der Boardingtreppenfahrer sogar noch für eine zweite vielversprechende Position gewonnen werden. Traumhaft!

 

 

Nachdem wir gut und gerne eine halbe Stunde unser elegantes Fluggerät unter Beschuss genommen hatten, dislozierten wir ins Terminal für eine Fragestunde mit einem Teil der fünfköpfigen Crew (es war übrigens sogar noch eine komplette Ersatzcrew mitgereist). Der Captain (links) stand/sass Rede und Antwort, während der junge Funker, der sichtlich Freude hatte, sein Englisch zu praktizieren, eifrig übersetzte. So erfuhren wir, dass diese IL-18, mit welcher wir flogen, eine speziell gut ausgestattete Variante sei, weil sie auch für präsidiale Flüge gebraucht worden war, und dass Air Koryo genügend Ersatzteile besitzt, um die IL-18 zehn weitere Jahre zu betrieben (und dies offenbar auch beabsichtigt).

 

 

Jetzt müsst ihr nochmals `ne Runde Sightseeing erdulden: Direkt am Airport wurden wir wieder von einem Bus abgeholt, und fuhren erst durch dichte alpine Wälder, später über karge Hochebenen…

 

 

...dem Mount Paektu an der Grenze zu China entgegen. Der 2‘744 Meter hohe Schichtvulkan ist der höchste Berg der gesamten koreanischen Halbinsel, und wird seit jeher von den Koreanern als Heiligtum angesehen. Auch für die nordkoreanische Propaganda ist er von eminenter Bedeutung, soll doch Kim il-sung von hier aus den Guerilla-Widerstand gegen die Japaner organisiert haben, und soll Kim jong-il am Fusse des Bergs geboren sein. So prangt er denn auch auf Propagandaplakaten im ganzen Land – aber auch in Echt ist er äusserst schön!

 

 

 

Eine rumpelnde alte Standseilbahn (für einmal leider nicht made in Switzerland) führte uns bis unter den Gipfel, wo wir unser aus Pyongyang mitgebrachtes Picknick mit bester Aussicht genossen:

 

 

Frisch gestärkt machten wir uns dann auf, in einem gut 20-minütigen Fussmarsch den höchsten Punkt des Vulkans zu besteigen, und über den sagenhaft schönen Kratersee Chonji („Himmelssee“) hinweg nach China hinüber zu blicken.

 

 

Ausblick während des Abstiegs; in der Ferne (unterhalb der etwas grösseren Quellwolke ziemlich genau in der Bildmitte) ist die Piste des Samjiyon Airport als schmales helles Band zu erkennen

 

 

Mit dem Cable Car (welches häufiger defekt ist, als dass es funktioniert) geht es wieder hinunter…

 

 

…und in nicht enden wollenden Fahrten über enge Waldstrassen durchs Niemandsland (auf denen einem wie computergenerierter Verkehr immer wieder Gruppen von Soldaten entgegenmarschieren, ohne dass man eine Ahnung hätte, von wo nach wo die hier gehen könnten) nehmen wir Kurs auf unsere nächste Sehenswürdigkeit.

 

 

Das Ziel unserer 90-minütigen Rumpelfahrt? Tadaaa, eine schlichte Waldhütte. Aber natürlich nicht irgendeine, wie das Propagandadenkmal zur Linken klar macht: Hier soll der „Dear Leader“, der 2011 verstorbene Kim jong-il geboren worden sein. Was ja bewiesenermassen nicht stimmt, zudem gaben wir alle übereinstimmend der Hütte nicht mehr als 10 Jahre, und irgendwie stimmt da auch was mit der Anordnung der Türen und Fenster zwischen Propaganda und Wirklichkeit nicht so ganz überein. Aber wie so vielfach auf dieser Reise: Freundlich zuhören, innerlich schmunzeln, und den Einheimischen ihren Glauben lassen, wenn’s ihnen so gut tut…

 

Erschöpft von den Flügen und anstrengenden Stunden im Bus zogen wir uns für den Abend in ein abgelegenes Hotel zurück. Dieses war zwar nicht ganz so luxuriös wie das Koryo-Hotel, aber immer noch sehr gut zumutbar. Die „mild electric shocks“ beim Händewaschen wegen nicht geerdeter Wasserleitungen und die nicht funktionierende Toilette im Zimmer sorgten aber immerhin für einen Schuss Abenteuer. Aber wir verbrachten ohnehin den längeren Teil der Nacht in der Bar…;)

Entsprechend unausgeruht ging’s am nächsten Morgen weiter mit dem Sightseeing, doch immerhin kriegten wir was Schönes geboten: Hier die Rimyongsu-Wasserfälle, gekrönt von einem hübschen Pavillon.

 

 

Nicht fehlen durfte natürlich das Samjiyon Grand Monument, welches an den Guerillakrieg gegen die Japaner erinnert. Selbstverständlich überragt die Bronzestatue des „Great Leader“ mal wieder alles…

 

 

…aber auch seine Soldaten wurden verewigt – so lebensecht, dass man meint, sie mit einem Fingerschnippen zum Leben erwecken zu können…

 

 

 

Danach kehrten wir für ein kräftigendes Mittagessen und ein paar letzte Elektroschocks kurz in unser Hotel zurück, bevor wir uns zum Airport begaben, um den Rückflug anzutreten.

 

 

 

Da es auf dem Rückflug keine Sitzplatzreservationen mehr gab, konnten, kaum hatte uns der Bus am Vorfeldrand abgesetzt, 40 Flugzeugfans beobachtet werden, die wie von der Tarantel gestochen in einem Affenzahn der IL-18 entgegenstürmten, um sich ja einen der vier begehrten Fensterplätze vor den Propellern zu sichern. Die arme belgische Reisegruppe, die sich erneut den Flieger mit uns teilte, konnte das kaum mehr beeindrucken – spätestens nachdem sie um drei Uhr nachts ein gut angeheitertes Mitglied unserer Tour nur in Unterhosen bekleidet hatten verwirrt durchs Hotel geistern sehen, waren wir eh als Verrückte abgestempelt…

Anyway. Ich liess anderen den Vortritt und begnügte mich mit einem Platz an der Flügelhinterkante. Nach einem schier endlos langen Takeoff-Run (die Höhe geht auch an der betagten Isle nicht spurlos vorbei…) stiegen wir extrem flach weg und nahmen Kurs auf Pyongyang.

 

 

Der Flug verlief ereignislos (ausser dass alle Mann auch Enroute in einem Hindernislauf um die armen verdatterten Belgier herum zu den begehrtesten Fenstern stürmten), und nach einer guten halben Stunde befanden wir uns schon wieder – mit bereits lange ausgefahrenem Fahrwerk – im erweiterten Endanflug auf Pyongyang

 

 

Die letzten Sekunden in der Luft geniessend…

 

 

Hello Pyongyang!

 

 

 

 

Bereits über das P/A-System hatte unser Reiseleiter vermeldet, dass er noch eine kleine Überraschung für uns hätte. So wartete ein Bus auf uns, der uns zu der einige hundert Meter entfernt geparkten Ilyushin-14 bringen sollte, welche schon die Mitglieder früherer Touren in Ekstase versetzt hatte.

Da stand sie nun also, die sagenumwobene Maschine. Angaben eines Air Koryo-Vertreters zufolge habe sie Stalin anno 1955 dem Great Leader geschenkt, und dieser sei sie auch selber geflogen.

 

 

Die Maschine ist Angaben zufolge 1987 das letzte Mal geflogen worden und auch nicht mehr flugtüchtig. Da sie aber von grossem emotionalen Wert für das Land ist, präsentierte sie sich makellos hergerichtet. Eventuell soll sie 2013 in einem Museum nahe Pyongyang ausgestellt werden.

 

 

Während die vorhergehenden Touren sich die Maschine bloss von aussen anschauen durften, waren wir offenbar die ersten Westlichen, welche auch das Innere der IL-14 besichtigen durften. Hier die schön präparierte Kabine:

 

 

Und schliesslich geht’s an den Arbeitsplätzen des Funkers und Navigators vorbei...

 

 

...in die Heiligste aller Stuben!

 

 

 

Während wir um die IL-14 versammelt waren, ereigneten sich gleich noch zwei Movements am Platz: Einerseits wurde unsere IL-18 zurück auf ihren Abstellplatz verfrachtet, was diese tolle Tail-Parade ermöglichte...

 

 

...andererseits kam dieser schnittige Flitzer hier gerade von einem Einsatz zurück.

 

 

 

Ausritt mit der Tu-134: Tagestrip nach Hamhung

 

Der oben abgebildete Flieger spielt auch die Hauptrolle am nächsten Tag, hatten wir ihn doch für einen Tagestrip an die Ostküste gechartert.

 

 

Einmal mehr: All aboard! Diesmal hatten wir den Flieger für uns alleine, was für eine etwas entspanntere Stimmung an Bord sorgte.

 

 

 

So waren wir flugs alle festgezurrt, und es konnte abermals losgehen. Das Hochfahren der Soloviev-Triebwerke war abermals ein Ohrenschmaus, und 10 Minuten später erhielten wir die volle Dröhnung. Takeoff!

(ein Youtube-Video eines früheren Tour-Besuchers für die Soundkulisse: http://www.youtube.com/watch?v=Gfd7EM7zl6A )

 

 

Kurz nach dem Start drehen wir nach Osten ab...

 

 

...und geniessen einen wenige Minuten dauernden Reiseflug über der bedeckten Bewölkung

 

 

Ein Cabin-Shot musste natürlich auch noch drinliegen...

 

 

...wie auch abermals ein paar Detailaufnahmen des stilvollen Interieurs...

 

 

Schon befanden wir uns im Endanflug auf den Sondok Airport von Hamhung an Nordkoreas Ostküste – hier hätte man eigentlich nicht fotografieren dürfen, wohl wegen diverser Militäreinrichtungen am Boden, aber es taten’s trotzdem alle...

 

 

Es folgte auch hier das übliche After Landing-Prozedere: Alle Mann brav in die Reihe stehen und kurz im Cockpit vorbeischauen!

 

 

 

Unser schnittiger Flieger während eines kurzen Sonnenlochs...

 

 

...und noch zweimal in Detailaufnahmen. Auch hier hatten wir wieder genügend Zeit, unsere fotografischen Triebe zu befriedigen.

 

 

Schon wieder stand ein Bus bereit, welcher uns in einer halbstündigen Fahrt zu einer etwas kuriosen Sehenswürdigkeit verfrachtete: einer Düngemittelfabrik. Die Guides und wir – wir verstanden uns zu dem Zeitpunkt schon prächtig – fieberten dem Highlight der Tour mit gleichermassen gespieltem Enthusiasmus entgegen, und konnten es kaum erwarten, die Fabrik in Augenschein zu nehmen. Et voilà – super schön hier, nicht? :)

 

 

Ich will gar nicht genau wissen, was da aus dem Kamin kommt – jedenfalls umgab das ganze Areal ein ausgesprochen beissender Ammoniumgestank, und man traute sich kaum zu atmen.

 

 

Immerhin warf der Besuch aber noch ein paar „typische“ Nordkorea-Bilder ab – so hatte ich mir das Land vor dem Besuch nämlich vorgestellt: Grau, düster, heruntergekommen und voller Propaganda.

 

 

Mit dem Besuch einer lauten Maschinenhalle war der Besuch nach einer Stunde glücklicherweise abgeschlossen...

 

 

...und wir konnten uns schöneren Destinationen zuwenden!

 

 

Leider blieb nicht viel Zeit fürs Planschen im Wasser, denn schon war im luxuriösen Strandresort getafelt worden, und uns empfingen einmal mehr leckere Köstlichkeiten. Bis dahin hatte sich übrigens trotz viel roher und ungewohnter Kost noch niemand den Magen verdorben – einige erwischte es dann aber beim Abendessen, hauptverdächtig ist die Salami-Pizza vom italienischen Restaurant in Pyongyang.

 

 

Eigentlich wäre der Aufenthalt am Meer mit Übernachtung im Strandhotel geplant gewesen, da aber unsere Tu-134 tags darauf für eine chinesische Reisegruppe gebraucht wurde, mussten wir noch am gleichen Nachmittag wieder abreisen. Gibt schlimmeres...! Auf geht’s also...:)

 

 

Zwar zwängte sich die Sonne nun langsam durch die Wolken, leider aber wurde – wie immer – ohne Bleed Air/Air-Condition gestartet, weswegen die ohnehin bereits dreckigen und zerkratzten Fenster auch noch in Sekundenschnelle beschlugen. Trotzdem der Versuch eines Bildes...

 

 

Unser indischer Klassenclown sorgte auch in der Luft für Unterhaltung, und löste die Air Koryo-Flightattendants flugs mit seinem eigenen (durchaus wirkungsvollen) Servicekonzept ab (nebenbei: sogar der im Bild sichtbare Ersatzcaptain genehmigte sich einen Schluck :D )

 

 

Nach weniger als einer halben Stunde befanden wir uns bereits wieder in der altbekannten Umgebung, dem nördlichen Anflugkorridor von Pyongyang

 

 

 

Schon während wir zu unserem Standplatz rollten, konnten wir beobachten, wie eine der wenig genutzten IL76 einem Standlauf unterzogen wurde. Die Anzeichen verdichteten sich also, dass auch unser letztes grosses Highlight stattfinden sollte – doch zuerst mussten wir uns noch einen Sightseeing-Tag lang gedulden (die Magenverstimmten wussten diese Pause allerdings sehr zu schätzen!).

 

 

 

Der grosse Tag: Flug im Frachtraum des Biests

 

Am Freitag, dem Geburtstag gleich zweier Tour-Mitglieder, war das lange herbeigefieberte Highlight endlich da: wir sollten mit der IL76 und der AN-24 in die Luft gehen! Jepee! Netterweise hatte Petrus sie und alle anderen Teilnehmer auch noch mit ganz gutem Wetter beschenkt. Perfekte Bedingungen für einen unvergesslichen Tag!

Eigentlich waren zwei halbstündige Rundflüge um Pyongyang damit geplant gewesen. Kurz vor der Abreise erreichte uns allerdings die Info, dass die Verwaltung solche Rundflüge ohne Angabe von Gründen verboten hatte. Stattdessen würden wir nun mit beiden Flugzeugen gleichzeitig nach Hamhung fliegen, und dann im jeweils anderen Muster zurück. Was natürlich neben längeren Flugzeiten auch willkommene, da entspanntere Fotomöglichkeiten am verlassenen Airport von Hamhung versprach.

Den Hinflug bestritten die meisten von uns in der IL76...

 

 

...und tatsächlich, da stand sie schon und wartete auf uns! Schon alleine eine IL76 zu *sehen* ist in unseren Breitengraden ein Jahreshighlight. In ihrem Bauch mitzufliegen aber eine echte „once in a lifetime experience“!

 

 

Entsprechend ausgelassen stürmte die Meute den „nur“ 22-jährigen Frachter denn auch...

 

...und nahm sofort jeden Winkel des weitläufigen Cargo Decks unter Beschuss!

 

 

 

Noch ein „clean shot“ des Frachtraumes....

 

 

...und dann mussten wir uns husch auf den Troop Seats festzurren, denn es sollte losgehen!
Rechts kann der Loadmaster beobachtet werden, der über unsere (ungesicherten) Picknick-Utensilien und seine Instrumente wacht

 

 

Leider war ich nicht mit einem Platz an einem der vier (ohnehin zerkratzten) Fenster gesegnet, aber auch ohne Sicht nach draussen war der Flug ein absolutes Highlight! Der riesige Frachtraum verstärkte die Triebwerksgeräusche einer Kathedrale gleich, und beim Setzen des Startschubes musste man aufpassen, nicht nach hinten zu rutschen (wir waren allerdings angeschnallt). Echt ein Erlebnis!

Der Video-Kollege von der August-Tour hatte mehr Glück mit dem Fenster, daher sei sein Werk hier empfohlen: http://www.youtube.com/watch?v=3TPo3a32A_o&hd=1

 

Mein Zimmergenosse konnte zudem auf dem Rückflug (welchen ich in der An-24 verbrachte) auch noch zwei Wingviews erhaschen – et voilà!

 

Schon senkte sich die Nase, die ganze Meute rutschte etwas nach vorne, das Fahrwerk fuhr aus, und nach einer gefühlten Ewigkeit setzten wir weich auf. Es rumpelte danach derart stark, dass ich für einen Moment dachte, wir wären auf der Wiese neben der Piste gelandet, dann heulte der Umkehrschub auf, und nur wenige Momente später waren wir abermals in Hamhung angekommen und die Parkbremse gesetzt. Wer das eben erzählte noch auf einem Video anschauen möchte, hier hab‘ ich ein kleines Filmchen der Landung hochgeladen: http://www.youtube.com/watch?v=8ChMMJkgkhY&hd=1

 

Welcome to Hamhung!

 

 

 

Doch haaaalt, nicht so schnell aussteigen! Erst muss noch das doppelstöckige Cockpit besichtigt werden! Nachdem die erste Tourgruppe im März noch viel Glück brauchte, um überhaupt einen Blick auf die IL76 zu erhaschen, und die August-Gruppe bloss damit fliegen, aber nicht ins Cockpit schauen durfte, wurden uns nämlich erstmals auch hier alle Türen geöffnet.

Zuerst ging’s in die untere Etage – die Glasnase, Arbeitsplatz der Navigatoren und Observer

 

 

 

 

Und schliesslich noch in die Steuerzentrale einen Stock höher :)

 

 

Dann war outside shooting angesagt. Sofort hatte mein Kollege eine gut gelegene Fotopfütze angesteuert, und nun lagen wir der Ilyushin wieder zu sechst zu Füssen und machten uns dreckig. Aber gelohnt hat sich’s allemal!

 

 

Hach, sie sieht einfach aus jeder Perspektive genial aus!

 

 

Wow, wow, wow!

 

 

Für die Puristen auch noch in klassisch...

 

 

...und ein Erinnerungsfoto des Flightforum-Teams musste natürlich auch noch sein (neben mir René aka „Coronado“).

 

 

Noch kurz eine Nasenparade...

 

 

...und dann verzogen wir uns für ein feines Picknick in den VIP-Saal des Terminals – stets beobachtet von den grossen Leadern!

 

 

Am Nachmittag machten wir uns bereit für den Rückflug – und endlich sollte ich auch meine Rechnung mit der An-24 begleichen können, die mir auf Kuba mal knapp entwischt war. Yay!

 

 

Ruhe vor dem Sturm, bevor all die Verrückten wiederkommen!

 

 

Auch wenn sie neben dem IL76-Hype fast etwas zu erblassen schien – auch auf die kernige An-24 freute ich mich ausgesprochen!

 

 

Bevor wir allerdings boardeten, durften wir zuerst noch zusehen, wie wenige Meter neben uns die IL76 ihre vier Triebwerke startete, um uns herum zur Startpiste rollte, und mit ohrenbetäubendem Lärm von dannen zog. Das alleine ist schon ein Highlight...dann denke man sich aber einmal mehr dazu, in welchem Land man sich gerade befindet, und ist ob des grossen Glücks versucht, mindestens einen Salto rückwärts zu machen.

Fast so wackelig ist auch meine Kameraführung des Spektakels aber hey, immerhin :)

http://www.youtube.com/watch?v=9wwwk2gkPXk&hd=1

 

Während die Ilyushin noch immer in Sicht war, begannen schon wieder die ersten, in Richtung Antonov zu rennen, um sich auch ja einen guten Fensterplatz zu sichern. Ich konnte immerhin noch einen mit nahezu vollständigem Triebwerksgondel-Blick ergattern, und nach wenigen Minuten hefteten wir uns an die Fersen der IL76!

 

Die An-24 überraschte mich wirklich: Der Sitzabstand war für einmal so grosszügig, dass die Thrombose nicht gleich auf dem Vordersitz zu lauern schien, und in der Kabine war sie ähnlich leise wie eine ATR oder Dash, trotz des beträchtlichen Altersunterschiedes (ganz anders ist der Sound aussen, wie ich mich aus Kuba noch erinnere). Einzig die fehlende Air Condition setzte uns zu, und die (wenigen noch vorhandenen) Safety Cards waren als Fächer extrem beliebt...

Wir sagen der Ostküste Goodbye...

 

 

...geniessen den (nach drei Jet-Flügen auf der Strecke) vergleichsweise lange dauernden Hüpfer...

 

 

...und werden einmal mehr vom ansprechenden Umland Pyongyang’s willkommen geheissen.

 

 

Einmal mehr geht's in den mittlerweile bestens bekannten Anflug: Einmal dem Kyonryong-Stausee winken und dann straight-in auf die 19.

 

 

Doch halt, irgendwas stimmt nicht! Wir sind höher als sonst, und plötzlich wird eine Rechtskurve eingeleitet. Yay, ein Visual Circling auf die 01! Und ich sass auf der richtigen Seite, um die Airport-View einzusammeln...:)

Gross die aktive Piste 19/01 (4‘000m), dann der laaaange Verbindungstaxiway inklusive Brücke über den kanalisierten Taedong River, dahinter die alte und gesperrte Piste 17/35 (3‘500m), und daneben, wo der Fluss eine Ausbuchtung beschreibt, das kleine Vorfeld. Ein zugegeben etwas seltsames Flughafenlayout aber na gut – was ist in diesem Land nicht seltsam?!

 

 

Vorteil 2 des Circlings: ein paar Minuten mehr über den hübschen Parzellen-Reisfeldern! Rechts kann schon der Flughafen erspäht werden, wir drehen also bald in den Final ein

 

Aaaaand here we are, Touchdown auf der 01! Der Grund für die ganze Übung war übrigens reichlich profan: der Wind blies stärker als mit 5 Metern pro Sekunde aus Norden.

Und jaja, ich hatte im Endanflug noch kurz die Seite gewechselt. Aber eh kein Problem, die Locals im Verbindungsgang zum Cockpit absolvierten eh die gesamte Landung im Stehen.

 

 

Uuuuund auch hier noch ein Cockpit-Shot – passenderweise präsentiert sich der Laden pechschwarz, konnte man doch schon während des Taxiings in der gesamten Kabine riechen, dass sich die Herrschaften dort vorne wieder ihre obligaten Zigaretten gönnten ;)

 

 

Auch der kleine Turboprop lässt sich offensichtlich nur zu viert betreiben, hier die bekannten Arbeitsplätze von Funker und (ich nehme an) Bordingenieur

 

 

Bevor wir im Terminal die mit der IL76 geflogenen Jungs wieder trafen (welche sich schon über eine halbe Stunde lang langweilten) posierte die Crew netterweise noch für ein Gruppenbild (man notiere im Übrigen den schicken Niederflurbus im Hintergrund)

 

 

Überglücklich nach dem Erlebten wurden wir in die Stadt zurück verfrachtet, erledigten noch einige letzte Sightseeing-Pendenzen, genossen ein letztes leckeres Abendessen (auch wenn viele den Abschied von der koreanischen Küche kaum erwarten konnten, ich fand sie super – bis auf den nicht näher genannt sein wollenden Vierbeiner, den es einmal in Suppenform zu probieren gab vielleicht) und liessen den Abend und die Reise danach bei einem Bier in der Hotelbar ausklingen.

Am nächsten Morgen teilte sich die Gruppe auf: der eine Teil flog direkt nach Peking, um so zur Abwechslung auch noch einen modernen Air Koryo-Flieger kennenzulernen, die Tu-204. Viele hätten sich die rare, „kurze“ -300er (P-632, gebaut 1994) gewünscht, es wurde dann aber das jüngste Flottenmitglied, die erst 2009 gefertigte Tu-204-100 P-631. Diese wartete offenbar mit einer ansprechenden, modernen Kabinenausstattung inklusive LCD-Displays auf, auf welchen ein action- und blutreicher Kriegsfilm in ohrenbetäubender Lautstärke gezeigt wurde. Hier drei Bilder von meinen deutschen Kollegen, auf dem grossen ist gut der Flughafen Peking mit seinem riesigen Terminal 3 zu erkennen.

 

 

 

Zurück nach China in der Tu-154

 

Ich dagegen entschied mich für die „klassische“ Variante und hoffte, auch noch den letzten alten Flieger in der Flotte erlegen zu können: die Tu-154. Diese sollte den Plänen gemäss jeweils auf den Flügen in die Nordchinesische Stadt Shenyang gleich hinter der koreanischen Grenze eingesetzt werden – allerdings hatte bisher noch keine der Tour-Gruppen das Glück, sie auch zu erwischen, und wurden mit langweiligen IL62 abgespiesen (Achtung, Ironie!) :)

So war also die Aufregung gross, als sich unser Splittergrüppchen von ca. 12 Personen gegen Mittag zum letzten Mal am Pyongyanger Flughafen einfand. Was würde wohl auf dem Apron auf uns warten?

 

Yay, sie hier! Zwar „nur“ die „B-2“-Version und nicht die „B“, was offenbar die älteste weltweit noch fliegende Tu-154 gewesen wäre. So what – wir waren alle froh, überhaupt mit der 154er fliegen zu können!
(und nein, das Bugfahrwerk hängt nicht in der Luft, ist nur eine optische Täuschung. Oder steckt doch der "great leader" mit seinen Superkräften dahinter?) 

 

 

Wir kriegten auch unsere Handys wieder (in einem Haufen schwarzer iPhones sein eigenes zu finden ist übrigens nicht einfach – das mit den meisten Kratzern stellte sich aber natürlich als das meine heraus) und waren somit bereit für den Abflug. Nur die knapp 30-jährige Rakete (seit Ausserdienststellung der Concorde ja das schnellste zivile Verkehrsflugzeug der Welt) machte es noch einmal spannend, und das Boarding wurde aus unbekannten Gründen über eine halbe Stunde nach hinten geschoben.

 

 

Dann aber war es soweit: Alle Mann rein in die gute Stube!

 

 

Blick entlang des Rumpfs auf den schnittigen, 35° nach hinten gepfeilten Flügel (und unsere IL76 im Hintergrund). Schöööön!

 

 

Soviet-style mit der typischen „Tapete“ an den Wänden, die Kabine

 

 

Ein letztes Mal täxeln wir über den kanalisierten Taedong-Fluss hinweg zur neuen Piste und erheben uns wenig später von jener in die Luft.

Der Sound war einfach himmlisch und noch viel besser als auf den anderen Jets des Trips, war die Maschine im Gegensatz zu den anderen geflogenen Exemplaren doch nicht mit den „neueren“ Soloviev D-30, sondern den alten Kuznetsov NK-8-Triebwerken ausgestattet. Woooow!

Hier ein Video von einem Kollegen im gleichen Flieger: http://www.youtube.com/watch?v=dGshjr29cQE&hd=1

 

 

Linkskurve nach dem Start – bye bye schöne Reisfelder (inklusive Kanaltunnel zur Bewässerung, nicht schlecht) !

 

 

Als Gruss aus der Küche gab’s den heiss ersehnten Air Koryo-Burger. Ein scheinbarer Widerspruch, wenn man tags zuvor noch mitten in Pyongyang Propaganda-Postkarten mit Anti-USA-Parolen erstanden hat. Aber nur bis man aufgeklärt wird, dass ja Kim jong-il den Hamburger erfunden hat, und nicht die bösen Kapitalisten :D

 

 

Die Kurzstrecke war für die schnelle TU natürlich ein Klacks, und ehe wir uns versehen, befinden wir uns bereits wieder im Sinkflug in Richtung Shenyang

 

 

Zehn Minuten später ist die Tu-154 fully established im Endanflug auf die Piste 06, und wir geniessen die letzten Momente an Bord dieses Exoten, bevor uns die gewöhnliche, langweilige, moderne Welt wiederhat!

 

 

Kaum haben wir auf Shenyangs Piste aufgeschlagen und sind die Reverser verstummt, ertönt eine nicht aufhören wollende Klingelsonate, als tausende SMS die für eine Woche weggesperrten Handys erreichen. Willkommen zurück in der Zivilisation!

Für die meisten von uns geht’s weiter nach Peking, für mich danach sogar noch mit dem A380 nach Hong Kong, womit ich witzigerweise innerhalb von zwei Wochen mit Flugzeugen aus sechs Jahrzehnten geflogen bin. Aber das ist dann eine andere Geschichte!

 

 

Fazit

 

Tja, was bleibt von Nordkorea? Wie unschwer zu erkennen ist, hat das Ergebnis der Tour, insbesondere die Offenheit uns Fotografen und Enthusiasten gegenüber, uns alle überrascht und einen sehr positiven Eindruck hinterlassen.

 

Die Tour

David, der junge Inhaber von Juche Travel Services, hat in kurzer Zeit mit viel Fleiss und Organisationstalent enorm viel erreicht, was man noch vor einem Jahr kaum für möglich gehalten hätte. Das Programm war zwar sehr streng, aber dafür haben wir in einer Woche extrem viel von diesem eigenartigen aber doch faszinierenden Land gesehen. Es hat mehr oder weniger alles geklappt wie geplant, nur der Flug im Mi-8-Helikopter fiel ins Wasser, weil dieser offenbar zwischenzeitlich an eine andere Unternehmung verkauft worden war. Bei sonstigen Planänderungen wussten unser Organisator und die lokalen Guides stets gekonnt zu improvisieren, und uns immer ein sehr ansprechendes Programm zu bieten.

Ich habe mich sowohl in den Flugzeugen als auch sonst im Land stets sicher, gut betreut und hervorragend aufgehoben gefühlt. Daher kann ich die Tour jedem empfehlen, der an alten Flugzeugen interessiert ist, und sich nicht scheut, dafür ein nicht ganz so normales Reiseziel zu besuchen. Fürs nächste Jahr sind bereits wieder mehrere Touren aufgegleist worden. Allerdings geht das Gerücht um, dass Air Koryo zumindest die IL-62, vielleicht aber auch alle älteren Russenflieger nicht mehr nach China einsetzen wird, und möglicherweise moderneres Gerät hinzukauft. Die alten Flieger sollen aber in der Flotte bleiben, müssten aber einfach zu höheren Preisen auf Inlandsflügen gechartert werden. David wird auf seiner Webseite sicherlich die entsprechenden Infos veröffentlichen, sobald er Neuigkeiten erhält.

 

 

Das Land

Tja, das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Ich gebe gerne zu, dass mich das, was wir von Nordkorea zu sehen bekommen haben, positiv überrascht hat, und mich nachhaltig beeindruckt und bereichert hat. Und so  komme ich zu dem Fazit, dass das Land aus rein touristischer Sicht sehr wohl eine Reise wert ist: Man sieht ansprechende Landschaften, eindrückliche Bauten und taucht ein in eine Welt, die man nirgends sonst auf dem Planeten mehr findet, was natürlich auch den eigenen Horizont enorm erweitert (betrifft gerade jüngere Jahrgänge). Dies alles bei einem durchaus hohen Komfort- und Sicherheitsstandard, weshalb ich die Destination guten Gewissens empfehlen kann. Vorausgesetzt, man kann mit den speziellen Reisebedingungen (fast keine Kommunikation mit der Aussenwelt, stetige Begleitung und Beobachtung, unorthodoxe Weltanschauung, propagandistische Sehenswürdigkeiten) für eine Woche lang leben.

Das ist die eine, wie gesagt rein oberflächlich-touristische Seite. Es steht definitiv fest, dass die Touristen aber nur das zu sehen bekommen, was sie sehen sollen, und dies vielfach nicht dem realen Leben entspricht. Und es steht auch fest, dass im Hintergrund ein Regime operiert, welches alles andere als eine blütenweisse Weste hat. Welches nicht nur eine zu Recht kritisierte Ideologie verfolgt, sondern sich auch erdreistet, diesen Prozess mit viel Gewalt und ohne Kompromisse durchzusetzen, und in der Folge in der Bevölkerung seit Jahrzehnten enormes Leid verursacht.  Das kann und soll keinesfalls wegdiskutiert werden!

Die Frage, die sich jeder am Ende stellen muss ist, ob diese beiden Gegensätze für ihn miteinander vereinbar sind. Für mich waren und sind sie es. Und ja, ich würde ohne zu zögern wieder nach Nordkorea reisen. Zusätzlich zum Tour-Preis habe ich alleine im Land noch etwa das Äquivalent eines nordkoreanischen Jahreslohnes für Sehenswürdigkeiten, Shows und Souvenirs ausgegeben – nicht nur im reichen Pyongyang, sondern auch in den Regionen. Und auch wenn dieses Geld in erster Linie beim Regime landen sollte, wird auch dann der reiche Beamte damit irgendwann beim armen Bauern ein Pfund Reis kaufen. Oder kurz gesagt: Ich bin überzeugt, dass mein Besuch niemandem vor Ort geschadet hat, sondern wenn, dann höchstens genützt. Das ist schonmal das Wichtigste. Ebenfalls bin ich überzeugt, dass es für die Entwicklung und Öffnung des Landes nur förderlich sein kann, wenn möglichst viele Auswärtige es mit ihren eigenen Augen sehen. Tausend Augen sehen mehr als hundert, und je mehr fremde Augenpaare im Land unterwegs sind, und je mehr auch die arme Bevölkerung realisiert, dass es „da draussen“ so viele Leute gibt, denen es einiges besser geht...desto schwieriger wird es auch für das Regime, seine beschönigende Fassade für weitere sechzig Jahre komplett aufrecht zu erhalten.

 

 

 

Auch wenn es mal wieder ein überlanger Bericht war, hoffe ich, dass die Lektüre interessant war und Freude bereitet hat. Es war mir ein Anliegen, die Reise möglichst komplett darzustellen – auch damit sich potentielle Interessenten ein gutes Bild machen können. Sollten weitere Fragen bestehen, von Arirang bis Zimmergrösse, dann nur her damit!

 

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